Stefan Kaminski über seine Neuinterpretation von »Die unendliche Geschichte«
Zurück nach Phantásien: Seit einem knappen halben Jahrhundert begeistert »Die unendliche Geschichte« von Michael Ende Hörer*innen und Leser*innen jeden Alters. Nun nimmt Stimmkünstler Stefan Kaminski den Faden auf und erschafft mit unverkennbarer Wandlungsfähigkeit eine moderne Interpretation des Klassikers, die das Hör-Universum von Michael Ende und die ikonische Lesung von Gert Heidenreich um eine zusätzliche Dimension erweitert.
Passend zum neuen Hörbuch hat Illustrator Max Meinzold ein audioexklusives Cover gestaltet, das cineastisch anmutet und bereits auf den ersten Blick zum Entdecken Phantásiens einlädt.
Mit außergewöhnlicher Erzählkraft entfaltet Stefan Kaminski die zeitlose Geschichte von Bastian Balthasar Bux. Dabei findet er für jedes noch so phantastische Wesen den passenden Ton – egal ob weiser Glücksdrache oder steineknirschender Felsenbeißer.
Im persönlichen Gespräch erzählt der Sprecher von den Herausforderungen und dem Privileg, einen Text, den fast jede*r bereits kennt, neu zu interpretieren.
Stefan Kaminski über »Die unendliche Geschichte«
»Die unendliche Geschichte« hat mich völlig unerwartet erreicht. Ich bin begeistert davon, Geschichten von Tiefe und Poesie einzulesen, Geschichten, die sprachlich wie erzählerisch einen hohen Anspruch haben und dadurch wertvolles Kulturgut sind. Die begeistern und unterhalten und zugleich bilden. Sowas will ich machen, deswegen liebe ich meinen Beruf. Dafür grabe ich die Facetten meiner Stimme an und dafür gehe ich gern durch sämtliche Emotionen, um dem Buche auch meine höchstpersönliche interpretatorische Breite zu spendieren und danach selbst bereichert aus dem Studio zu kommen. Dafür hat Michael Ende mit »Die unendliche Geschichte« wirklich das Paradestück geschrieben. Da passte alles.
Die ersten Begegnungen mit Phantásien
Ich habe früher als Kind das Buch leider nicht gelesen, ich wusste darum und fand sehr spannend, dass es in zwei Farben gedruckt ist. Ich habe auch mal darin geblättert. Das Problem war, und es war damals ja keines, dass ich zuerst den Film gesehen hatte. Der hatte mich völlig beeindruckt und ich dachte, ich kenne die Geschichte jetzt ja schon. Ich mochte die Figuren darin, ich mochte die Poesie, die Stille, die Zartheit, die Kraft, die Farben, das Apokalyptische Drama und die heroische Rettung Phantásiens durch den Mut eines Jungen, der so alt war wie ich. Alles.
Dadurch ist mir aber entgangen, dass das Buch, die Vorlage, überhaupt nur zu vielleicht einem Viertel in dem Film vorkommt. Das geht ja noch weiter! Bastian ist erst unterwegs, um Phantásien zu retten, ABER dann, um sich darin zu verlieren und schließlich erst mühsam wiederzufinden. Er durchläuft eine richtige Odyssee, eine Bastissee sozusagen, in der er zum Tyrannen wird, der vergisst und vergisst, bis er schließlich vergisst, woher er kam und wer er ist. Einsam und dürstend nach Liebe und Erfüllung findet er schließlich über wertvolle Stationen mit spannenden Köpfen, die alle eine kostbare Botschaft bergen, zurück in sein Zuhause, den Weg zurück zu seinem Vater und bereichert die Realität mit den Schätzen der Fantasie, die er von Anfang an in sich trägt.
Warum Michael Endes Geschichte so zeitlos ist
Das Buch ist aktuell. Und in Zeiten, wo so viele Meldungen auf uns alle niederprasseln, wo alles zu viel ist, was uns reizt und reizen soll, worauf man reagieren zu müssen glaubt, was man haben muss und wissen soll und alles schnell, schnell, schnell und sofort … da ist diese Geschichte auch äußerst wichtig. Ein (Hör-)Buch, das die Sinne schärft, sensibilisiert und in Teilen fast meditativ in die innere Stille führen kann. Das ist sehr gut und wesentlich, weil dort in der Stille die Erkenntnisse liegen und die eigenen Gefühle wohnen. Und um die zu fühlen, gibt uns die Gegenwart sehr wenig Gelegenheit.
Wie die Figuren im Studio lebendig wurden
Das alles habe ich beim vorbereitenden Lesen und dann erst recht beim Lautlesen im Studio sehr deutlich gefühlt. In den Gänsehäuten, als mir das Auge feucht wurde und als die Zeilen nur so flogen, weil der Text geschrieben ist wie Wasser. Er fließt. Und nicht zuletzt, und natürlich eigentlich zuerst: der Spaß am Formen der Figuren … Sie sind ja sehr plastisch beschrieben, da konnte ich mich leicht einlassen. Allen Figuren wohnt ein eigener Charme inne, alle sprechen anders, haben ihre Eigenheiten. Sind skurril, verschroben, weise, ätherisch oder komödiantisch oder auch ganz schlicht und schön.
Ich habe mir nichts vorgenommen, nichts vorher gehört oder geschaut oder geübt. Das mache ich nie. Ich habe vieles erst spontan beim Lautlesen vor dem Mikrofon erfunden oder mir im Vorfeld an den Rand notiert. Das ist pur und mir am liebsten. Darum muss ich ins eigene Hörbuch reinhören, bevor ich live damit in Erscheinung trete, weil ich mich erinnern möchte, wie das war. Denn es hat sich sehr schön angefühlt und klar. Also eine große Ehre einerseits, »Die unendliche Geschichte« lesen zu dürfen. Andererseits die ersehnte Spielwiese, auf der ich aus dem Vollen schöpfen kann.
Und jetzt euch viel Spaß beim Hören und Fühlen, beim Lachen und ins Leben gehen damit. Möge Auryn, das Licht, euch begleiten …
Die unendliche Geschichte
Autor*in: Michael Ende
Sprecher*in: Stefan Kaminski
Seit Generationen begeistert Michael Endes »Unendliche Geschichte« Leser*innen und Zuhörer*innen jeden Alters. Nun entfaltet die Geschichte eine besondere Magie: Stefan Kaminski erweckt mit seiner außergewöhnlichen Wandlungsfähigkeit und Erzählkraft Phantásien und seine magischen Gestalten zum Leben. Begleite Atréju und Bastian auf ihren Abenteuern und lausche dem dröhnenden Grollen des Felsenbeißers, der gurgelnden Stimme der uralten Morla und dem Glücksdrachen Fuchur, der jedes Wort wie ein warmes Schmunzeln klingen lässt.
Phantásien ist in Gefahr. Das Nichts droht alles zu verschlingen, denn die Kindliche Kaiserin ist krank. Wenn ihr nicht geholfen wird, muss Phantásien sich auflösen. Bastian möchte helfen – aber wie? Phantásien ist doch nur eine fiktive Welt, in die er sich durch ein Buch Tag für Tag hineinflüchtet. Schließlich findet er einen Weg, um in der Geschichte zu bleiben. Gemeinsam mit dem jungen Krieger Atréju muss er nun etliche Abenteuer bestehen, um die Kindliche Kaiserin und seine neue Wirklichkeit zu retten.
Der zeitlose Klassiker – neu interpretiert von Stefan Kaminski.
Stefan Kaminski
Stefan Kaminski, 1974 geboren, schloss sein Studium an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« ab. 1996 begann er seine Laufbahn als Sprecher und Schauspieler. Dank seiner enorm wandelbaren Stimme gilt er als Meister des »Stimm-Morphings«. Seine Lesungen und Live-Shows avancieren oft zu Ein-Mann-Hörspielen der Extraklasse. Für seine Hörbuch- und Hörspielproduktionen wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik, dem Deutschen Hörbuchpreis 2017 und 2019 sowie dem Jahrespreis der hr2-Hörbuchbestenliste 2018.
Weitere Hörbücher von Stefan Kaminski
Michael Ende
Michael Ende (1929-1995) zählt zu den bekanntesten und vielseitigsten deutschen Schriftstellern. Neben Kinder- und Jugendbüchern schrieb er poetische Bilderbuchtexte, Bücher für Erwachsene, Theaterstücke und Gedichte. Viele seiner Bücher wurden verfilmt oder für Funk und Fernsehen bearbeitet. Sie wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von über 35 Millionen Exemplaren erreicht.
























