Daniela Dröscher über ihren ersten Jugendroman
Interview

Daniela Dröscher über ihren ersten Jugendroman

Eindrucksvoll und einfühlsam erzählt Daniela Dröscher in „Mädchen allein zu zweit“ von Freundschaft und Zugehörigkeit, Selbstbehauptung und den leisen wie großen Zumutungen des Aufwachsens. Das Hörbuch eröffnet einen Blick auf die Innenwelt der Freundinnen Issa und Grace und entfaltet mit sprachlicher Präzision und emotionaler Tiefe eine Geschichte, die von Verbundenheit, Unsicherheit und der Suche nach dem eigenen Platz handelt.

Zu ihrem ersten Jugendroman haben wir Autorin Daniela Dröscher ein paar Fragen gestellt. Im Interview gibt sie uns Einblicke in ihren Schreibprozess und erzählt, was ihr an der Lesung der Sprecherin und mehrfachen Preisträgerin des Deutschen Hörbuchpreises Birte Schnöink besonders gefällt.

Interview

8 Fragen zu »Mädchen allein zu zweit«

Deine (Hör)Bücher kreisen oft um die feinen Bruchstellen zwischen privatem Erleben und gesellschaftlicher Struktur. Was hat dich für deinen ersten Jugendroman dazu bewegt, in die Welt jugendlicher Mädchen einzutauchen?

Daniela Dröscher

Ich habe eine reale und tagtägliche Nähe zu diesem Alter durch meine Kinder, meine Tochter ist 16. Auf einer größeren Ebene interessiert mich, was die Träume dieser Generation sind und sein können ... sie stehen vor ganz anderen Herausforderungen als bspw. ich damals.

Unterscheidet sich deine Herangehensweise beim Schreiben eines Jugendromans von deinen bisherigen Büchern?

Daniela Dröscher

Ich habe meine Lektorin gefragt, was es zu beachten gilt, und sie hat mir einen wichtigen Ratschlag gegeben: Die Erwachsenen und ihre Probleme müssen in die zweite Reihe. Teenies first! Das fand ich einleuchtend und schön.

In „Mädchen allein zu zweit“ weist du an einigen Stellen auf die Werke berühmter Dichterinnen hin und baust sie in den Text ein. Was bedeuten Gedichte für Issa und Grace?

Daniela Dröscher

Issa liest ja sehr gerne, besonders die Lyrik hat es ihr angetan. Diese Form spricht stark zu ihrem jungen Herzen. Ich fand es schön, Gedichte einmal anders zu präsentieren, als es oftmals in der Schule vom Lehrplan vorgeschrieben wird.

Welche Rollen hatten Literatur oder Gedichte in deiner eigenen Jugend?

Daniela Dröscher

Eine große! Ich habe mich früh in die Lyrik von Sylvia Plath und Ingeborg Bachmann verliebt. Erich Fried natürlich auch. Rilke und auch Tucholsky. Außerdem habe ich als Jugendliche die Gedichte aus der BRAVO geliebt, die Leser*innen eingeschickt hatten. Gedichte von Teenagern also.

Hast du einen Lieblingsmoment oder -dialog in deinem Hörbuch?

Daniela Dröscher

Ich mag alle Szenen, in denen Issa und Grace so verschworen miteinander sind, dass man denkt, es platzt einem das Herz, so unbedingt ist diese Freundschaft. Den ersten Kuss mit dem SIR mag ich auch. Und den Clou mit Livvies Geschenk.

Klingt Birte Schnöink mit ihrer Lesung so, wie du dir die Charaktere beim Schreiben vorgestellt hast? Wie ist es, deine Figuren zum Leben erweckt zu hören?

Daniela Dröscher

Ich höre im Lesen meine eigene Stimme, auch weil ich mir die Texte immer wieder einmal laut vorlese. Konkrete Vorstellungen habe ich da nicht. Aber bei der Hörprobe wusste ich sofort: Ah, das wird super! Ich liebe die Stimme und die lässige und zugleich sehr warme Art, mit der Birte Schnöink liest, ich wollte es sofort durchhören, als ich die erste Probe bekam!

In diesem Jahr hattest du zuvor selbst das Hörbuch zu deinem sehr persönlichen Essay „Sprechen“ eingelesen. Wie fühlt es sich an, wieder vom Mikrofon zum Kopfhörer zu wechseln?

Daniela Dröscher

Ich liebe es, wenn meine Texte von anderen gesprochen werden, zumal wenn sie so toll klingen wie Birte Schnöink. Bei Essays lese ich gerne selbst, alles andere überlasse ich professionellen Schauspieler*innen.

Welche Emotionen wünscht du den Hörer*innen zum Ende des Hörbuchs?

Daniela Dröscher

Ich wünsche mir, dass sie eine Verbundenheit spüren mit ihren Freund*innen. Dass sie neugierig und kämpferisch in die Zukunft schauen, auch wenn sie schwierig erscheint.

Mädchen allein zu zweit

DETAILS ZUM HÖRBUCH

Autor*in: Daniela Dröscher

Sprecher*in: Birte Schnöink

Manchmal beschließt man mit fünfzehn, woran man nicht mehr glauben will. Issa hat der romantischen Liebe längst abgeschworen, zu laut sind die Geldsorgen ihrer Familie, zu deutlich die gescheiterten Träume der Eltern.

Issa besucht ein Gymnasium voller Rich Kids, während zu Hause jeder Euro zählt. Halt gibt ihr nur Grace: forsch und überzeugt davon, dass Geld vor allem ein lösbares Problem ist. Als Issas Familie in eine existenzielle Notlage gerät, beschließen die beiden Freundinnen, selbst aktiv zu werden. Gleichzeitig hat auch Grace ein Problem, wenngleich ein medizinisches: Ihre Brüste sind zu groß, sie hat Schmerzen und schämt sich. Doch die Krankenkasse will nicht zahlen. Die beiden begeben sich auf eine monetäre Odyssee, die sie zwingt, Grenzen zu überschreiten – moralische ebenso wie gesellschaftliche.

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Daniela Dröscher
Autor*in

Daniela Dröscher

Daniela Dröscher, Jahrgang 1977, schreibt Prosa, Essays und Theatertexte. Ihr Romandebüt »Die Lichter des George Psalmanazar« erschien 2009, es folgten der Erzählband »Gloria« und der Roman »Pola« sowie das Memoir »Zeige deine Klasse. Die Geschichte meiner sozialen Herkunft«. Sie wurde u.a. mit dem Anna-Seghers-Preis, dem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds sowie dem Robert-Gernhardt-Preis und einer Residenz in der Villa Kamogawa, Kyoto ausgezeichnet. Ihr autofiktionaler Roman »Lügen über meine Mutter« stand 2022 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. 2023 war Daniela Dröscher Writer-in-Residence am Goethe-Institut Reykjavík.

Birte Schnöink
Sprecher*in

Birte Schnöink

Birte Schnöink, geboren 1984 in Bremen, spielte bereits während ihrer Schulzeit erstmals Theater. Nach ihrem Abitur engagierte sie sich zunächst in einer Bremer Behindertenwohngruppe – parallel bereitete sie sich auf Vorsprechen vor. 2006 bewarb sie sich an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin und wurde angenommen. Sie hatte Engagements an der Berliner Schaubühne, den Salzburger Festspielen und dem Thalia Theater in Hamburg. Birte Schnöink erhält 2014 den Boy-Gobert-Preis für Nachwuchsschauspieler. Für ihre Lesungen erhielt Birte Schnöink u. a. 2024 den KIWI – Kinder- und Jugendhörbuchpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden sowie 2021 den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch«.

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