Einen Moment, bitte!

Wie bereitet man sich als Hörbuchsprecher auf das Einlesen eines Textes vor? Welche Herausforderungen galt es bei den Studioaufnahmen zu überwinden? Was sagt der literarische Text der Interpretin, dem Interpreten persönlich? Wie entstehen die Ideen für Hörspiele? Wenn ein neues spannendes Projekt in der Mache ist, lauern wir unseren Sprechern, Autoren und Regisseuren auf, und bekommen wir sie zu fassen, stellen wir ihnen so viele Fragen wie möglich. Klar, wir wollen Insider-Informationen erhaschen, für einen Moment in die Köpfe der Kreativen gucken. Denn logisch, am Schreibtisch und im Aufnahmestudio, an den Orten, an denen die Hörbücher und Hörspiele entstehen, darf nicht gestört werden, pssst, da herrscht höchste Konzentration!



„Es kann zu einer Abneigung gegen öffentliche Verkehrsmittel kommen. Sollte diese länger als 14 Tage anhalten, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf."

Ein Interview mit Timur Vermes

 

In Ihrem neuen Roman »U« arbeiten Sie vor allem mit Gedankenschnipseln, Auslassungen, lautmalerischen Elementen und knappen Dialogen. Warum haben Sie diese äußere Form des Erzählens gewählt?

Timur Vermes: Sie schien mir am besten geeignet, um die Leser näher an diese seltsame, bizarre Nacht heranzuführen. Also erleben wir die Geschichte direkt aus dem Kopf der Hauptfigur. Im Dialog merkt man keinen Unterschied. Aber dazwischen klingt es eben so, wie man denkt. Niemand denkt in ganzen Sätzen. Niemand denkt: „Ich möchte jetzt einen Kaffee“, sondern – ja, was? Wir denken in Impulsen, Wünschen, Bildern, an den Geschmack von Kaffee, vielleicht nur das Bild einer Tasse oder der Sehnsucht, den warmen Becher in den Händen zu halten.

Sie begrenzen sich auf ein einziges Setting – die U-Bahn. Wieso gerade dieses?

Timur Vermes: Weil ich Bücher und Filme mag, die aus wenig viel machen. »Nicht auflegen« – ein Thriller, der darin besteht, dass ein Mann eine Telefonzelle nicht verlassen darf. »Blair Witch Project« – supergruselig, aber im Grunde nur Dunkelheit. »Der Geschmack von Chlor« – ein Junge im Hallenbad.

Das, was die Figuren während ihrer nächtlichen U-Bahn-Fahrt erleben, ist von Unvorhersehbarkeit sowie absurden, surrealen und wahnsinnigen Ereignissen geprägt. Was steckt dahinter?

Timur Vermes: Meine eigene Sehnsucht nach solchen Geschichten. Ja, es gibt viele Geschichten über Zombies, Vampire, irgendwelche Flüche – aber letztlich sind die doch alle beruhigend beherrschbar, oder? Der Zombie kriegt eine Axt in den Kopf, Vampire schubst man in die Sonne, Häuser baut man nicht auf Indianerfriedhöfen, alles klar, was gibt’s zum Abendessen? Ende der 70er gab es im ZDF eine Filmreihe mit einem eigenen Vorspann, »Der phantastische Film«. Ich wollte eine Geschichte, die so kalt, unbehaglich und verstörend ist wie ich als Kind diesen Vorspann empfunden habe – und die Filme, die danach präsentiert wurden.

Weitere Informationen zu »U« finden Sie hier.

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