Einen Moment, bitte!

Wie bereitet man sich als Hörbuchsprecher auf das Einlesen eines Textes vor? Welche Herausforderungen galt es bei den Studioaufnahmen zu überwinden? Was sagt der literarische Text der Interpretin, dem Interpreten persönlich? Wie entstehen die Ideen für Hörspiele? Wenn ein neues spannendes Projekt in der Mache ist, lauern wir unseren Sprechern, Autoren und Regisseuren auf, und bekommen wir sie zu fassen, stellen wir ihnen so viele Fragen wie möglich. Klar, wir wollen Insider-Informationen erhaschen, für einen Moment in die Köpfe der Kreativen gucken. Denn logisch, am Schreibtisch und im Aufnahmestudio, an den Orten, an denen die Hörbücher und Hörspiele entstehen, darf nicht gestört werden, pssst, da herrscht höchste Konzentration!



„Grandios, wenn Andreas Fröhlich grunzt wie ein Pinselohrschwein“

Ein Interview mit Margit Auer

Wann ist die Idee zur Schule der magischen Tiere entstanden?

Margit Auer: Die Idee stammt aus der Zeit, als meine Söhne die Grundschule besuchten, das war vor mehr als zehn Jahren. An der Schule gab es einige sehr engagierte Lehrerinnen. Sie haben unermüdlich gelobt und die Kinder ermuntert, neue Dinge auszuprobieren. Eine Lehrerin hat nachmittags mit einer Schülerin Radfahren geübt, weil das Mädchen niemanden hatte, der das mit ihr machte. Einem anderen Mädchen, es hieß tatsächlich Hatice, brachte sie das Schwimmen bei. Ich dachte mir damals: Was wird eigentlich aus Kindern, die keine so tolle Lehrerin haben? Da habe ich mir die magischen Tiere ausgedacht.


Margit Auer © Richard Auer

Wie finden Sie die Namen Ihrer Figuren?

Margit Auer: Darüber denke ich lange nach. Der Name muss zum Charakter des Tieres passen und vielleicht auch etwas über seine Herkunft verraten. Sydney ist eine Stadt in Australien, aber so nennen Popstars auch mal ihre Tochter. Der Name klingt lieb und nett – perfekt für ein Koalamädchen. Bei Helenes Kater dachte ich an den berühmten Dirigenten Herbert von Karajan. Ein Mann mit Klasse, der gern schwarze Rollkragenpullis trug und es mit seinem Adelstitel nicht so genau nahm. Passt, oder?

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht weiterwissen?

Margit Auer: Dann mache ich eine Klammer im Text und schreibe rein, was in diesem Kapitel stehen sollte. Zum Beispiel: „Versöhnung Ronja mit ihren Eltern, Toffi hilft“. Ich erinnere mich, dass ich an diesem Kapitel ewig rumgekaut habe. Schreibblockaden kann ich mir nicht leisten, schließlich warten meine Leser sehnsüchtig auf den neuen Band! Ich hüpfe einfach ins nächste Kapitel und mache dort weiter. Irgendwann habe ich dann schon eine Idee, was ich statt der Klammer hinschreiben könnte …
Spätestens eine Woche vor Abgabetermin.

Was war Ihr merkwürdigstes Erlebnis in einer Lesung?

Margit Auer: Einmal daddelten Kinder während der Lesung an ihren Handys herum. Ich unterbrach, diskutierte mit den Kindern und hatte sie schließlich so weit, die Dinger wegzustecken. (Die Lehrerin hatte behauptet, die Kinder bräuchten die Handys, um Fotos zu machen.) Da ging die Tür auf, herein kam der Bürgermeister. Er sollte eigentlich die Begrüßung machen, war aber zu spät. Er sah sich um, zog sein Handy raus und begann, darauf herumzutippen. Ich wollte ihn mit meinen Blicken töten, nur leider sah er nicht auf.

Wollen Sie auch in zehn Jahren noch Bücher schreiben?

Margit Auer: Ja! Ein Leben ohne zu schreiben kann ich mir gar nicht vorstellen. Es wäre ein trauriges Leben.

Hören Sie persönlich gerne Hörbücher?

Margit Auer: Nicht meine eigenen! Bei jedem Satz, den Andreas Fröhlich vorliest, denke ich mir: Hätte ich das nicht besser formulieren können? Andere Hörbücher höre ich aber durchaus.

Wann und wo? 

Margit Auer: Beim Autofahren oder im Zug.

Haben Sie ein Lieblingshörbuch?

Margit Auer: Das Hörbuch „Der Wind in den Weiden“ nach dem Roman von Kenneth Grahame hat mich auf einer langen Autofahrt getröstet. Unser Sohn hatte in Südfrankreich einen Unfall gebaut und saß vor einer Autowerkstatt fest. Wir fuhren die Nacht durch, um ihn abzuholen. Harry Rowohlt hat uns Stunde um Stunde von Ratte, Maulwurf und Knöterich vorgelesen, das werde ich nie vergessen.

Haben Sie die Stimmen der Tiere aus „Die Schule der magischen Tiere“ im Kopf?

Margit Auer: Im Moment sind es eher die Stimmen zum Kinofilm. Für das „Buch zum Film“ habe ich mir x-mal den Rohschnitt angesehen. Katharina Thalbach als Schildkröte Henrietta geht einem nie mehr aus dem Ohr!

Was mögen Sie besonders an den Hörbüchern der Reihe?

Margit Auer: Ganz klar die Tierstimmen. Grandios, wenn Andreas Fröhlich grunzt wie ein Pinselohrschwein oder das Stachelschwein Zeki zum Singen bringt: Schubidu, schubidu!

Hören Sie lieber die Lesungen oder die Hörspiele?

Margit Auer: Die Hörspiele sind für mich spannender, weil ich vorher nicht weiß, wie die einzelnen Personen rüberkommen. Über den Chinesischlehrer von Henry habe ich sehr gelacht.

Wohin würden Sie gerne einmal mit Mr. Morrison reisen?

Margit Auer: Unbedingt nach Schottland. Mortimer muss mir zeigen, woher er kommt. Ich will mit ihm wandern gehen und mit ihm zusammen in einem Pub vor dem Kaminfeuer einen Whiskey trinken. Es darf gern auch eine Tasse Tee sein – Hauptsache, Mortimer und Pinkie sind dabei. Das „Glenelg Inn“ in den westlichen Highlands wäre dafür gut geeignet. Ich wette, dort wundert sich niemand über eine Elster, die Apfelkuchen mampft.

 

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