»1793 ist ein Meisterwerk.«  Arne Dahl 

So düster, atmosphärisch, verrucht hat man Stockholm wohl noch nicht erlebt. Ein mysteriöser Fall im Jahr 1793, ein grausames Spiel um Liebe und Macht, Krieg und Revolution, dazu zwei Ermittler als ungleiches Gespann zwischen Genialität und Versehrtheit mitten im Elend der Gosse.

Ein stilistisch meisterhaftes Debüt: Schwedenkrimi mal ganz anders.


So klingt Stockholm im 18. Jahrhundert (Karte: Georg Biurman [Public domain], via Wikimedia Commons)

769 Minuten, 2 MP3-CDs

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ISBN 978-3-86952-410-8
Erscheint am 01.03.2019

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für 13,95 EUR (ohne Anmeldung)


Zwei Fragen an Sprecher Philipp Schepmann

© Andreas Biesenbach

Was ist das Besondere an diesem Schwedenkrimi?


Angenommen, Sie könnten einen Tag im Jahr 1793 verbringen: Was würden Sie tun?

Über den Sprecher

Philipp Schepmann studierte Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Heute arbeitet er als freier Schauspieler für Bühne und Fernsehen. Als Sprecher, Regisseur und Produzent ist er auch für Rundfunk-, Hörspiel- und Hörbuchproduktionen tätig. Seine Romaninterpretationen von Autoren wie Ken Follett, Luca Di Fulvio und Jostein Gaarder begeistern regelmäßig die Hörer.
2006 war Philipp Schepmann als Bester Sprecher für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert.


Über den Autor

© Gabriel Liljevall

Niklas Natt och Dag wurde 1979 geboren. Er entstammt der ältesten Adelsfamilie Schwedens, und er hat nicht zuletzt deshalb eine besondere Verbindung zur schwedischen Geschichte. Die Begeisterung für den schwedischen Nationaldichter Carl Michael Bellmann inspirierte ihn zu dem historischen Kriminalroman ›1793‹. Bellmann lebte in genau jener Zeit, und in seinem Werk wimmelt es meistens von kleinen Dramen aus dem Leben der Unterschicht.
Für sein Romandebüt wurde Niklas Natt och Dag vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schwedischen Krimipreis für das beste Spannungsdebüt.
Wenn er nicht schreibt oder liest, spielt er Gitarre, Mandoline, Geige oder die japanische Bambuslängsflöte Shakuhachi. Niklas Natt och Dag arbeitet als freier Journalist in Stockholm, wo er zusammen mit seiner Frau und zwei Söhnen lebt.


Interview mit Niklas Natt och Dag

Was hat Sie zu Ihrem Roman 1793 inspiriert?
In Schweden gab es in den Neunzigerjahren einen Comic, »Arne Anka«. Arne war eine zynische und rechthaberische Ente und sah Donald Duck verblüffend ähnlich. So sehr, dass sein Schöpfer fürchtete, von Walt Disney verklagt zu werden und der Ente deshalb einen spitzeren Schnabel verpasste. Arne war ein gescheiterter Poet, und Carl Michael Bellman, unser Nationaldichter, war sein großes Vorbild. Über Arne kam ich mit Bellman in Berührung, der 1740 bis 1795 lebte, sehr versiert war, aber die heiklen Themen seiner Zeit vermied. Er schrieb lieber Lieder, die das Leben der einfachen Leute – darunter auch Trunkenbolde und Prostituierte – dokumentierten und die auf den Straßen Stockholms spielten. Bellmans Werk beeindruckte mich zutiefst, und ich verlor mich in seiner Menagerie an Karikaturen und in den unvorhersehbaren Wendungen der Geschichten. Plötzlich donnerten Emotionen über die Jahrhunderte hinweg auf mich zu. Und so kaufte ich mit fünfzehn meine allererste CD, eine Sammlung von Bellman-Liedern in einer Neuinterpretation. Schließlich schlich ich mich in die Schulbibliothek, stahl ein Buch mit Bellman-Notationen und lernte daraus, Gitarre zu spielen. Etwa zwanzig Jahre später, ich hörte noch immer seine Musik, erschien mir Stockholm im 18. Jahrhundert ein bisschen wie ein zweites Zuhause.

Was war die größte Herausforderung beim Schreiben?

Erst einmal mit dem Schreiben anzufangen! Ich war ein einsames Kind und verbrachte die meiste Zeit mit Lesen. Ich entwickelte Beziehungen zu den Romanfiguren, und ihre Welten wurden in mir lebendig. Von klein auf träumte ich davon, selbst eine Geschichte zu schreiben, um auch einmal die Stimme für jemand anderen zu sein. Doch ich hatte großen Respekt und auch Angst davor, zu scheitern und meinen Traum womöglich platzen zu sehen. Es hat lange gedauert, bis ich die ersten Sätze zu Papier gebracht habe. Das war wohl meine größte Herausforderung.

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Und was hat am meisten Spaß gemacht?

Die ganze Recherchearbeit, um den Roman mit Leben und spannenden Details zu füllen! Tolkiens Mittelerde wäre für mich nie lebendig geworden, wenn er nicht auch die Blumen auf dem Weg nach Bruchtal beschrieben hätte, fiktive Sprachen mit Wortschatz angereichert oder eine funktionierende Syntax geschaffen hätte. Umberto Ecos Der Name der Rose ist ein Füllhorn an obskurem Wissen über Ketzerei und so vieles mehr. Ich wollte in diesem Sinne auch mein Bestes geben, und das hat mich zu einer Schatzkammer voller historischer Quellenbücher gebracht. Das war zweifellos das größte und schönste Leseabenteuer meines Lebens.

Was fasziniert Sie an der Kriminalistik im späten 18.
Jahrhundert?

Ich denke, dass jeder, der mit dem 18. Jahrhundert in Berührung kommt, von derselben Sache fasziniert sein wird. Nämlich wie die Aufklärung begann, eine mehr oder weniger feudale Gesellschaft zu durchdringen. Das Spannende dieser Zeit sind die Umbrüche. Auf der einen Seite gab es mittelalterliche Werte, auf der anderen Seite revolutionäre Ideen, die sich später zur Demokratie entwickelt haben. Ähnliches galt für die Strafverfolgung. Die Rechtsprechung war ungerecht, und die Rechte des Einzelnen waren, gelinde gesagt, kaum vorhanden. Die Strafen waren drakonisch. In 1793 verkörpert mein Protagonist Cecil Winge den Geist der Aufklärung. Als er die übel zugerichtete Leiche sieht, treibt ihn der Wunsch nach Gerechtigkeit an, den Fall aufzuklären. Doch auch er muss im Laufe der Geschichte lernen, dass man mit dem Verstand nicht alles lösen kann.

Angenommen, Sie könnten einen Tag im Jahr 1793 verbringen. Was würden Sie tun?

Ich würde in jedes Nasenloch einen Korken stecken und ins Kaffeehaus gehen, um den neuesten Klatsch und Tratsch aufzufangen. Dabei würde ich meine – im hohen Alter von 38 Jahren – vergleichsweise perfekten Zähne zur Schau stellen, eine Kreidepfeife rauchen und dabei den Corday Waltz aus Peter Weiss' Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade singen. Und schließlich würde ich natürlich auch Bellman einen Besuch abstatten, der zu der Zeit im Schuldnergefängnis saß, und ihn mit einer neuen Lieferung an Tinte, Papier und Feder versorgen.


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