Hörbuchtipp: Hanya Yanagihara - Ein wenig Leben

Auf der Suche nach Hörbuch-Empfehlungen? Bei Hörbuch Hamburg finden Sie jeden Monat neue Hörbücher und Hörspiele (sowohl als CD als auch zum Download). In unserer Kategorie "Hörbuchtipp des Monats" stellen wir regelmäßig ein neues Hörbuch aus unserem Programm vor:


Hörprobe

Eigentlich ist es gar nicht möglich, in ein paar Zeilen dieses Hörbuch zu beschreiben. Es ist das Bewegendste und Erschütterndste, was ich seit Langem gehört oder gelesen habe. Dieser herausragende New-York-Roman über vier Freunde ist  einerseits eine herzzerreißende Hymne auf die Freundschaft und den Zusammenhalt, andererseits führt er in die tiefsten Abgründe des menschlichen Daseins. Der Autorin gelingt es auf fast magische Weise, den Hörer und Leser zu fesseln und ihn auf eine Achterbahn der Gefühle zu schicken, ohne jemals kitschig zu werden. Wie lebendig  und intensiv sie psychologische Zusammenhänge zu vermitteln vermag, ist ungewöhnlich und einfach genial.

Der Roman Ein wenig Leben beginnt fast harmlos, wie ein Gesellschaftsroman, der vom Erwachsenwerden der vier College-Kameraden JB, Jude, Willem und Malcolm erzählt. Doch schon bald kristallisiert sich heraus, dass die eigentliche Hauptperson Jude ist. Wie seine Freunde macht er Karriere. Der eine –JB – wird Maler, der im MoMa und  Whitney Museum ausstellt, der zweite, Willem, gelangt als Schauspieler zu Weltruhm und Malcolm, der Dritte, entwickelt sich zum international angesehenen Architekten. Jude selbst wird einer der erfolgreichsten Anwälte New Yorks – doch gleichzeitig zeigt sich, dass er ein gebrochener, schlimm verwundeter Mensch ist. Nach und nach wird das ganze Ausmaß seiner schrecklichen, brutalen Kindheitsgeschichte offenbar.

Durch die sehr bildhafte Sprache der Autorin erfährt man als Hörer nahezu hautnah, warum Jude Schwierigkeiten beim Gehen hat und oft unter unerträglichen Schmerzen leidet, man erlebt mit, dass er einerseits seine Freunde fast selbstlos liebt, andererseits aber seiner eigenen Person und seinem eigenen Körper gegenüber sehr aggressiv ist und sich blutigste Verletzungen zufügt, indem er seine Haut ritzt. Jude leidet sein ganzes Leben lang unter den Qualen, die ihm als Kind zugefügt wurden, das Trauma des sexuellen Missbrauchs wird er nicht mehr los. Er fühlt sich voller Schuld und Scham, auch wenn sein Kopf ihm sagt, dass er ein Opfer ist. Selbst die unermessliche Freundschaft und Liebe seiner Umgebung vermag es nicht, ihn zu heilen.

Dabei sind es gerade diese Geschichten über Freundschaft und Liebe  in ihren unterschiedlichsten Ausformungen und Nuancen, die den hellen Gegenton zu dieser düsteren Geschichte setzen und das Hören oder Lesen dieses monumentalen Werkes erträglich machen. Hanya Yanagihara zeigt, welche Meisterin des Erzählens sie ist, indem sie diese beiden Welten in ihrem Roman kunstvoll miteinander verknüpft.

Hinzu kommt die sensible und wache Stimme Torben Kesslers, die den Hörer durch die schwärzesten Stellen dieses Schicksals sicher trägt und den Roman zu einem unvergesslichen Hörerlebnis macht.

Die Umstände in der Welt fordern gerade unsere ganze Aufmerksamkeit, aber vielleicht ist es genau die richtige Zeit, dieses Buch zu lesen und zu hören, denn kein polternder Präsidentendarsteller, keine Fake News und „alternative Fakten“ trüben diesen großen amerikanischen Roman, der einen so schnell nicht wieder loslässt.

Johannes Stricker, Geschäftsführer 


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